Im September 2025 hat ein Forschungsverbund unter Leitung der Universität Hamburg den ersten Zwischenbericht zur Evaluation des Konsumcannabisgesetzes (EKOCAN) vorgelegt, im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums. In den Schlagzeilen ging es vor allem darum, dass sich Konsum und Gesundheitslage bisher kaum verändert haben. Weniger Beachtung fanden die Zahlen zur Versorgung: Woher kommt das Cannabis, das in Deutschland konsumiert wird, und welche Rolle spielen die legalen Wege?
Dieser Artikel fasst zusammen, was der Bericht dazu sagt, und benennt auch, was er ausdrücklich nicht sagt. Stand: Oktober 2026.
Das Wichtigste in Kürze
- Anbauvereinigungen (Cannabis-Clubs) deckten 2024 weniger als 0,1 % des geschätzten Gesamtbedarfs.
- Medizinalcannabis machte im ersten Jahr rund 12 bis 14 % des Bedarfs aus.
- Der sogenannte „Social Supply“, also die Weitergabe im sozialen Umfeld, spielt laut Bericht eine zentrale Rolle.
- Die Marktanteile von privatem Eigenanbau und illegalen Quellen ließen sich nicht beziffern.
- Die Evaluation läuft weiter, endgültige Schlüsse sind noch nicht möglich.
Wie groß ist der Bedarf überhaupt?
Die Forschenden schätzen den Gesamtbedarf an Cannabis (Konsum- und Medizinalcannabis) für 2024 auf 670 bis 823 Tonnen. Das ist eine Schätzung mit großer Spanne, keine gemessene Zahl. Genaue Marktdaten gibt es bei einem Markt, der lange illegal war, nicht.
Was die Cannabis-Clubs liefern
Das Gesetz sieht vor, dass nicht-kommerzielle Anbauvereinigungen ihre Mitglieder mit selbst angebautem Cannabis versorgen. Der Bericht kommt zu einem klaren Ergebnis:
- Die Produktion der Anbauvereinigungen machte 2024 weniger als 0,1 % des Gesamtbedarfs aus.
- Im April 2025 hätten höchstens 2 % der erwachsenen Konsumierenden Mitglied in einer Anbauvereinigung sein können.
- Zum Ziel, den Schwarzmarkt zu verdrängen, leisten die Vereinigungen laut Bericht bislang keinen relevanten Beitrag. Ohne Korrekturen sei mittelfristig keine Änderung zu erwarten.
Wichtig für die Einordnung: Das Gesetz ist erst seit April 2024 in Kraft, und Anbauvereinigungen konnten erst ab Juli 2024 Anträge stellen. Dass sie 2024 noch wenig lieferten, ist deshalb auch eine Frage der Anlaufzeit.
Der unterschätzte Faktor: Medizinalcannabis
In den zwölf Monaten nach Inkrafttreten des Konsumcannabisgesetzes und des Medizinal-Cannabisgesetzes deckte Medizinalcannabis nach den Berechnungen des Berichts rund 12 bis 14 % des Gesamtbedarfs. Das ist deutlich mehr als alles, was Anbauvereinigungen zusammen liefern. Der Bericht hält zudem fest, dass der Bezug aus privatem Eigenanbau und von Medizinalcannabis aus Apotheken offenbar häufig ist.
Social Supply: der Weg, über den kaum jemand spricht
Beim Bezug spielt laut Bericht der „Social Supply“ eine zentrale Rolle, also das Weitergeben von Cannabis unter Bekannten. Nach dem theoretischen Modell der Forschenden ist das kein Schwarzmarkt im engeren Sinn, denn dieser meint den gewinnorientierten illegalen Handel. Die Weitergabe im sozialen Umfeld erfolgt meist kostendeckend oder unentgeltlich. Rechtlich vorgesehen ist sie im Konsumcannabisgesetz trotzdem nicht.



