Am 21. Februar 2026 hat der CDU-Parteitag in Stuttgart einen Antrag der Frauen Union angenommen, der die schwarz-rote Bundesregierung dazu auffordert, das Konsumcannabisgesetz (KCanG) wieder aufzuheben. Besitz, Anbau und Vertrieb von Cannabis sollen demnach erneut unter Strafe gestellt werden. Klingt dramatisch – doch wie realistisch ist das Ganze wirklich?
Was genau wurde beschlossen?
Der Parteitag hat sich mit deutlicher Mehrheit hinter die Forderung gestellt, die Cannabis-Teillegalisierung vom April 2024 komplett rückgängig zu machen. Federführend war die Frauen-Union-Vorsitzende Nina Warken, unterstützt von Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach (CSU). Das Argument: Jugendschutz und Gesundheitsschutz seien durch die Legalisierung gefährdet.
Doch ein Parteitagsbeschluss ist kein Gesetz. Und zwischen dem, was die CDU intern fordert, und dem, was politisch umsetzbar ist, liegt ein erheblicher Unterschied.
Warum eine Rücknahme extrem schwierig wird
1. Der Koalitionsvertrag bremst
Im Koalitionsvertrag zwischen CDU/CSU und SPD wurde keine Abschaffung des KCanG vereinbart – sondern eine "ergebnisoffene Evaluierung". Diese Evaluierung läuft bereits. Erst wenn deren Ergebnisse vorliegen, soll über Änderungen entschieden werden. Die SPD, die das Gesetz unter Gesundheitsminister Karl Lauterbach maßgeblich mitgetragen hat, wird kaum zulassen, dass ihr eigenes Reformprojekt ohne Datengrundlage gekippt wird.
2. Die Evaluierung spricht eine andere Sprache
Der EKOCAN-Zwischenbericht vom Oktober 2025 zeigt: Es gibt keinen sprunghaften Anstieg des Cannabis-Konsums seit der Legalisierung. Der Gesamtkonsum ist laut Daten seit 2019 sogar rükläufig. Das entkräftet das Hauptargument der Gegner erheblich. Die nächste große Evaluation zur organisierten Kriminalität steht für April 2026 an – und auch hier erwarten Experten keine dramatischen Befunde.
3. Rechtliche Hürden
Eine vollständige Rücknahme der Legalisierung wäre juristisch hochkomplex. Cannabis Social Clubs, die legal gegründet und genehmigt wurden, könnten bei einem Verbot Entschädigungsansprüche geltend machen – eine Art Enteignungsproblematik. Das macht eine 180-Grad-Wende für den Gesetzgeber extrem unattraktiv.
4. Die Gesellschaft denkt anders
Selbst unter CDU-Wählern befürworten 46 Prozent eine vollständige Legalisierung mit regulierten Fachgeschäften. In der Gesamtbevölkerung liegt die Zustimmung noch höher. Die CDU-Führung bewegt sich hier gegen den gesellschaftlichen Trend – und das weiß sie auch.
Was wahrscheinlich wirklich passiert
Statt einer kompletten Rücknahme sind schrittweise Verschärfungen deutlich wahrscheinlicher. Erste Anzeichen gibt es bereits: Die Telemedizin für medizinisches Cannabis soll eingeschränkt werden, und die Regeln für Cannabis Social Clubs könnten verschärft werden. Ein komplettes Verbot von Konsumcannabis ist in dieser Legislaturperiode allerdings kaum realistisch.
Was jetzt wichtig ist
Die Legalisierung steht nicht unmittelbar vor dem Aus – aber sie ist auch nicht in Stein gemeißelt. Die kommenden Monate werden entscheidend sein, besonders wenn die weiteren Evaluierungsergebnisse vorliegen. Jetzt ist der Moment, in dem sachliche Aufklärung zählt: Fakten statt Ideologie, Daten statt Bauchgefühl.
Wer die Legalisierung erhalten und weiterentwickeln will, sollte jetzt aktiv werden:
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Abgeordnete kontaktieren: Der Deutsche Hanfverband (DHV) bietet unter hanfverband.de Vorlagen und Tools, um den eigenen Wahlkreisabgeordneten zu schreiben. Das hat mehr Gewicht als jede Online-Petition.
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Petition unterzeichnen: Über 35.000 Menschen haben bereits die Cannabis-Petition 2026 auf cannazen.de unterschrieben.
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Aufklärung teilen: Teilt sachliche Informationen in eurem Umfeld. Viele Menschen wissen nicht, dass die Evaluierung keinen Konsumanstieg zeigt. Je mehr Leute die Fakten kennen, desto schwieriger wird es, die Debatte rein ideologisch zu führen.
Fazit
Der CDU-Parteitagsbeschluss ist ein politisches Signal – aber kein Todesurteil für die Cannabis-Legalisierung. Die Hürden für eine Rücknahme sind hoch, die Daten sprechen dagegen, und die Gesellschaft bewegt sich in eine andere Richtung. Was jetzt zählt, ist informierter Druck und sachliche Aufklärung. Kein Schritt zurück.



